Auf der Boot in Düsseldorf hatten sich Frank und Armin auf dem Stand der Marine unter anderem über die Marinekutter der Deutschen Marine informiert. Schon in der Kaiserlichen Marine wurden diese Marinekutter als kombinierte Ausbildungs- und Versetzboote eingesetzt. Sie dienten außerdem als Rettungsboote und als Verbindung zwischen Schiffen und zwischen Schiff und Land. Die Wettfahrten der Kutter gibt es seit über 130 Jahren und waren der Urspung der Kieler Woche. Es gibt also eine lange Marine-Kutter-Tradition


Es gibt bei der Regatta eine offene Klasse für Vereine und Teams aus ganz Deutschland. So bewarben wir uns und bekamen tatsächlich die Zusage für eine Teilnahme als eins von 25 Teams. Wir waren das einzige Team ohne jede Erfahrung. Keiner von uns hatte den mit einer 9-er Crew zu segelnden, offenen Zwei-Master je gesehen oder gar gesegelt. So musste unser Motto also sein:
Erbarmen, die Hessen kommen!
Eindrucksvoll war für uns alle die Willkommenskultur auf dem Marinestützpunkt Kiel-Wik. Fast alle Teilnehmer, also um die 200 Segler, durften auf dem Stützpunkt in Zelten und Wohnmobilen übernachten. Die Marine stellte eine herzliche und perfekte Organisation, sowie eine Wiese und Sanitärcontainer für die Teilnehmer. Essen gab es in der Messe direkt am Kai. Ja, und die Boote stellte die Marine uns auch zur Verfügung! Die herzliche Aufnahme der Marine war einzigartig!
So ein Kutter muss gerudert werden, um den Hafen zu verlassen, was am ersten Tag schon für einige Schreie und Lacher gut war. Beim Training am Freitag mussten Skipper Sören und die Crew dann mit steiler Kurve lernen, die zwei nur mit ein paar Holzblöcken getakelten Rah-Segel und eine Fock ohne Klemmen optimal zu bedienen. Das Material ist definitiv sehr historisch, aber war für uns natürlich vollkommen neu.

Am Samstag ging es dann mit der Regatta los: Zwei Läufe auf der Kieler Förde vor der Kulisse von klassischen Großyachten und Marineschiffen aus mehreren Ländern. Das Seglerherzen schlugen freudig, die Emotionen und Eindrücke kaum zu beschreiben.
Der erste Regattatag war dann auch sehr erlebnisreich bis die Crew sich gefunden hatte und mit dem Boot eins wurde. Samstag waren wir “Kreismeister” mit einem Start- und 3 Bahnkringeln. (Für Nichtsegler: Regelverstöße bei Vorfahrt oder Start werden in Regatten mit Zeitstrafen in Form von kleinen Extrarunden belegt) So gab es in den ersten zwei Läufen am Samstag nur (oder trotzdem) Platz 12 und 17.


Doch schon der dritte Lauf am Sonntag zeigte unsere technischen Fähigkeiten und führte zu einem bejubelten und motivierenden Platz 4. Eine großer Pulk und strategische Zurückhaltung führten danach zu Platz 16 gefolgt von einem perfektem 6. Lauf mit einem sensationellen 2. Platz.



Im letzten Lauf am Montag morgen erzielte das Team Waldsee den 10. Platz, der dann auch in der Siegerehrung am Nachmittag unser Gesamtergebnis sein sollte.

Der 10. Platz in einem Feld von 25 routinierten Kutter-Crews ist ein, wie wir finden großartiges Ergebnis, mit dem wir sehr zufrieden sind. Die Stimmung im Team spiegelt den gefühlten Erfolg wider. Alle wollen nächstes Jahr wieder dabei sein.

